Siedlungswasserwirtschaft

Die Siedlungswasserwirtschaft befasst sich mit dem Umgang von Trinkwasser, Abwasser, Niederschlagswasser und Betriebswasser im Umfeld von Siedlungen. Überwiegend wird sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Wissensbasis her, dem Bauingenieurwesen zugeordnet.

Ein jeder kennt die Regel: Ein erwachsener Mensch soll täglich zwei Liter Wasser trinken. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, denn durchschnittlich verliert ein Erwachsener täglich bis zu 2,5 Liter Flüssigkeit und das ohne körperliche Belastung. Nicht nur dass der Trinkwasserkonsum der Deutschen ohnehin bereits viel zu niedrig ist, sondern in den letzten 20 Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch zusätzlich um fast 12% gesunken. Um dieses Defizit wieder auszugleichen und zugleich die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung anzukurbeln, ist nicht ohne genügend Trinkwasser möglich. Doch die Trinkwasseraufbereitung ist nur einer der Bereiche, um die es bei der Siedlungswasserwirtschaft geht.

Sondern die Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt sich zudem mit dem Neubau, der Erweiterung und der Sanierung von Anlagen. Die Experten der Siedlungswasserwirtschaft haben das Wissen um innovative Technologien zur Wasser- und Abwasserbehandlung und können diese entsprechend auswählen, um so die modernen Anforderungen der wachsenden Städte umzusetzen. Damit das möglich ist, müssen die Experten Kenntnisse im Baumanagement, der städtebaulichen Planung, der Wasserverteilung und -Aufbereitung sowie über die Abwasserbehandlung haben.

Die Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland

Im Vergleich zu anderen Industrieländern ist die Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland unter anderem durch folgende Merkmale charakterisiert:

  • Ein zu geringer Wasserverbrauch pro Kopf: 121 Liter pro Kopf täglich (Stand 2010) im Vergleich: Frankreich 155l und in den USA sogar mehr als 260l
  • Ein hoher Grad tertiärer Abwasserklärung: 94% des städtischen Abwassers wird entsprechend der EU-Normen geklärt, einschließlich der Nährstoffeliminierung. Im Vergleich: Frankreich 36% und England/Wales 39%.
  • Sehr geringe Leistungsverluste von nur 7% im Vergleich zu Italien (29%), Frankreich (26%) und England und Wales (19%).
  • Hohe Wasserpreise. Gemeinsam mit Dänemark sind die Gebühren pro Kubikmeter in Deutschland am höchsten im Vergleich unter den 16 Industrieländern. Jedoch ist die durchschnittliche Wasserrechnung in Deutschland aufgrund des geringeren Wasserverbrauchs nicht höher als in anderen Ländern.

In Deutschland sind mehr als 99% der Bevölkerung an das Trinkwassernetz angeschlossen. Der verbleibende Teil versorgt sich über Brunnen und 93% der Bevölkerung sind an die öffentliche Abwasserversorgung angeschlossen.

Die Wasserressourcen und die öffentliche Trinkwasserversorgung

In Deutschland ist Wasser generell nicht knapp, wird einmal abgesehen von den gelegentlich örtlich begrenzten Trockenzeiten. Nur 2,7% der erneuerbaren Wasserressourcen werden von den öffentlichen Trinkwasserversorgungsunternehmen in Deutschland entnommen (5,1 Milliarden Kubikmeter von 188 Milliarden Kubikmetern), die im langjährigen Mittel pro Jahr zur Verfügung stehen. Die jährliche Wasserentnahme beträgt insgesamt 32,3 Milliarden Kubikmeter (ca. 17%) von allen Wassernutzern. Nicht genutzt werden etwa 83% des verfügbaren Wasserangebots.

Von den öffentlichen Trinkwasserversorgern wird das Wasser aus folgenden Quellen bezogen:

  • Grundwasser (65%)
  • Quellen (9%)
  • durch Uferfiltrat (5%)
  • aus Oberflächenwasser (21%)

In der Regel ist die Servicequalität der Trinkwasserversorgung in Deutschland gut. Das verteilte Trinkwasser, das unter angemessenen Druck verteilt wird, ist von hoher Qualität und die Versorgung erfolgt in den meisten Fällen kontinuierlich. Die EU-Trinkwasserrichtlinien werden eingehalten und das gesamte gesammelte Abwasser wird geklärt. Entsprechen den strengen EU-Normen werden 94% des städtischen Abwassers geklärt, einschließlich der Nährstofflimitierung. In Frankreich (36%) und England sowie Wales (39%) ist dieser Anteil höher.

Der häusliche Wasserverbrauch

Auf den häuslichen Verbrauch und kleine Betriebe entfallen rund 80% des öffentlichen Trinkwasserverbrauchs. Auf die Industriebetriebe, die durch das öffentliche Netz versorgt werden (14%) und sonstige Nutzer (6%) entfällt der verbleibende Anteil.

Im Jahr 2018 betrug der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser rund 127 Liter. Der Vergleich zeigt, dass vor knapp 30 Jahren ein Einwohner in Deutschland durchschnittlich noch 147 Liter Wasser täglich verbrauchte. Die Statistik zeigt, dass die Entwicklung des Wasserverbrauchs pro Einwohner und Tag tendenziell abnimmt.

Erstmalig wurde die deutsche Trinkwasserverordnung im Jahr 2001 erlassen, die Begriffsbestimmungen sowie Schutzvorschriften für das Trinkwasser umfasst. Laut dieser Bestimmungen sind die Wasserwerke dazu verpflichtet, die Schadstoffe aus dem Wasser zu filtern und strenge Qualitätskontrollen durchzuführen. Allerdings sind die wissenschaftlicher sich nicht einig, ob Mikroorganismen und Stoffe, die sehr selten im Trinkwasser gefunden werden und die Grenzwerte überschreiten, nicht langfristig bei den Menschen Erkrankungen auslösen können. Dennoch gilt das Trinkwasser in Deutschland, trotz aller Bedenken, als ein sicheres Lebensmittel, das intensiv kontrolliert wird und ohne Einschränkung konsumiert werden kann.

Jedoch kann der geringe Wasserverbrauch negative Auswirkungen in Hinsicht auf die Siedlungswasserwirtschaft haben. So kann es bspw. nötig werden, gelegentlich Trinkwasser in die Kanalisation einzuspeisen, um einer Stagnation von Abwasser zu verhindern. Der Grund ist, dass durch das langsam fließende Trinkwasser in den Leitungen die Wahrscheinlichkeit auf gesundheitsgefährdende Dekontamination im Leitungsnetz steigen kann. Allerdings zeigen die Forschungsergebnisse, dass bei den Netzen die den Anforderungen der Trinkwasserversorgung und der DIN 2000 entsprechen, keine Erhöhung der Koloniezahlen im Trinkwasser durch das Stagnieren des Abwassers zu erwarten ist. Außerdem kann es durch eine geringe Entnahme von Grundwasser zu Schäden an den Fundamenten der Gebäude aufgrund eines zu hohen Grundwasserspiegels kommen.

Die Trinkwasserpreise

In den deutschen Haushalten kann der sinkende Wasserverbrauch u.a. durch das wachsende Bewusstsein der Bevölkerung für die Ressource Wasser und technische Fortschritte, wie bspw. durch wassersparende Haushaltsgeräte, begründet werden. In den deutschen Haushalten wird das meiste Wasser beim Baden und Duschen verbraucht, gefolgt von der WC-Spülung und der Waschmaschine. Während der Trinkwasserverbrauch tendenziell sinkt, steigen die Preise für Trinkwasser jährlich.

So sind die Preise zwischen 2005 und 2016 durchschnittlich um 17,6% laut dem Statistischen Bundesamt gestiegen. Demzufolge sind die Preise um 25% gestiegen und die Verbraucherpreise im Vergleich um 16,1%. Üblicherweise setzt sich das Trinkwasserentgelt aus einer verbrauchsabhängigen Komponente und einem Grundendgeld zusammen. Bei dieser Preisgestaltung zahlten die Haushalte 2016 im Durchschnitt 1,72€ für einen Kubikmeter Wasser plus einem jährlichen Grundendgeld von durchschnittlich 19,30€. Somit zahlte ein Zweipersonenhaushalt mit einem durchschnittlichen Wassergebrauch von rund 120 Liter pro Tag und Person 233,34€.

Die Trinkwasserknappheit

Eine der wichtigsten Umweltproblematiken ist laut einer Umfrage unter der Bevölkerung in den 28 EU-Mitgliedsstaaten die Trinkwasserknappheit (30%). Weltweit kommt es immer wieder zu Wasserkonflikten, in denen aus unterschiedlichen Motiven um die Wasserversorgung gekämpft wird. Hierzu veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig eine Studie zur Situation der globalen Trinkwasserversorgung und der Sanitäranlagen.

Entgelte für Trinkwasser

Der Übersicht ist zu entnehmen, wie hoch die Entgelte für Trinkwasser in den Jahren 2014 bis 2016 waren. Dabei handelt es sich jeweils um die Summe von Kubikmeter- und Grundendgeld.

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